Sonntag, 17. Juni 2012

Die EM in Warschau



Seit über einer Woche ist die EM in Polen und der Ukraine, und ich muss sagen die Stimmung ist / war ausgezeichnet!

Ich war bereits am Dienstag auf der Fanmeile in Warschau zum Spiel Polen – Russland und ich fand die Atmosphäre großartig. Eigentlich alle Zuschauer im Polnischen Outfit. Von Unruhen kann ich nichts berichten, die gab es in meiner Nähe nichts.

Hier ein paar Eindrücke…

POL - RUS
Gestern wollten wir dann wieder zum wichtigen Spiel Polen – Tschechien. Es war voll, es war unglaublich voll. Schon auf dem Weg zur Fanzone um 18:30 Uhr haben sich die Menschen in die Waggons gepresst. 

Beim Eingang sind dann teilweise die Handynetze in die Knie gegangen, telefonieren funktionierte nur noch teilweise, und wenn man das Glück hatte durchzukommen, hat man eh nichts verstanden, da sich die Fans mit Gesängen auf das Spiel eingestimmt haben.

Samstag vor dem Spiel, dies ist der U-Bahn Ausgang

Evtl. haben wir uns etwas zu spät angestellt um in die Fanzone zu kommen, aber wir haben auch 40 Minuten gewartet bis wir teilweise drin waren.  An dieser  Stelle Kritik an die Organisation der Fanmeile. Es gab viel zu wenige Sicherheitsleute um die Mengen zu kontrollieren, und es wurden auch keine ordentlichen Schlangen gebildet. Blöderweise wurden die Tore, nachdem unsere Gruppe nur zu Hälfte drin war, geschlossen. Warum wissen wir leider nicht, als Grund wurde uns gesagt „Wir haben die Anweisung von der Leitung bekommen…“ 

Dies wurde auch nicht ordentlichen zu den Fans vor dem Tor kommuniziert. Einige sind dann über die Absperrungen gesprungen. Diese Fans wurden sofort von 3 Sicherheitsleuten in Empfang genommen und wieder nach draußen befördert.  Nach einer Weile haben wir dann beschlossen, die Fanzone zu verlassen und uns eine neuen Platz  zu suchen! Ich habe also die erste Halbzeit komplett verpasst und bin dann zur zweiten eingestiegen.

Und leider ist Polen draußen, echt Schade.

Jedoch heißt es jetzt für Deutschland die Daumen drücken, ich und mein Auto sind bereit. Ich glaube auch, ich bin der einzige der eine deutsche Beflaggung am Auto hat.


Sonntag, 3. Juni 2012

daily life

So mittlerweile bin ich seit etwa 8 Monaten in Warschau, die Zeit vergeht wie im Flug.

In letzter Zeit haben mir häuft Freunde und deutsche Arbeitskollegen immer wieder die gleiche Frage gestellt:

„Gefällt es Dir in Polen (mit einem kritischen Unterton)?“ oder auch in einer anderen Variante „Wie lange MUSST Du denn noch in Polen bleiben?“

Ich kann mit gutem Gewissen behaupten, mir gefällt es super gut in Polen, ich bin angekommen und will aktuell auch gar nicht weg. Der Sommer hat dies natürlich um einiges erleichtert.

Alle meine Befürchtungen die ich am Anfang hatte, sind nicht eingetroffen. Ich gestehe, ich hatte letztes Jahr bevor ich hierhergekommen bin, Polen nach den typischen Klischees in die Schublade eingeordnet. Ich weiß noch, wie ich zum ersten Mal im letzten Jahr durch die Stadt gelaufen bin, und meinen Geldbeutel von der Gesäßtasche nach vorne getan und meine Hände mit in die Tasche gesteckt habe.

Diese Haltung war relativ schnell weg. ich habe mittlerweile mehr polnische als ausländische Freunde, und habe Sie alle, als herzliche, hilfsbereite und warme Menschen kennengelernt. Ich arbeite dafür im Gegenzug an der Widerlegung der deutschen Stereotype.

Der Alltag hat mich eingeholt, und ich versuche mich so gut wie möglich zu Recht zu finden, doch ein Manko bleibt bis jetzt. Die Sprache... Ich als Optimist habe gedacht, ich würde schneller in die Sprache hineinkommen. Obwohl ich mir mit Sprachen schon immer schwer getan habe. Die Motivation war vor kurzem auf einem Tief und ich suche immer noch nach einer passenden Lernstrategie. Mein Polnisch Unterricht in der Arbeit fällt oft aus, und privat abends nach der habe ich schlichtweg keine Lust mehr. Bis jetzt hat es mit Englisch eigentlich ganz gut geklappt, aber langsame merke ich, dass ich dadurch mehr Zeit für Sachen benötige...

Aktuell versuche ich nämlich eine neue Sportart für mich zu entdecken, das Fitness ist etwas langweilig geworden, erstens ist es dauern überfüllt, was mich sehr stört, zweitens durch meinen Wohnungswechsel im Januar brauche ich jetzt erheblich länger für den Weg.
Jedoch ist es nicht so leicht das Internet danach abzusuchen, da die meisten Seiten nur auf Polnisch sind. Im ersten Schritt habe ich mich geärgert und mir gedacht, wie kann es in der heutigen globalisierten Welt sein, dass man keine englischsprachigen Webseite hat. Im zweiten Schritt hab ich dann an deutsche Internetseiten gedacht, und gemerkt, dass diese auch größtenteils nicht auf Englisch verfügbar sind...

Willkommen im Ausland, ich werde wohl doch weiter an meinem Polnisch arbeiten, gute Hinweise bitte immer an mich!

Mittwoch, 9. Mai 2012

Die Sache mit den Namen

Heute mal eine kleine Geschichte über polnische Namen.

In Polen wird eine Unterscheidung zwischem dem Namen gemacht, der auf dem Papier steht und dem Rufnamen.
Das ist in Deutschland nicht anders. Jeder hat einen Spitznamen, aber eigentlich wird er nur von guten Freunden genutz. Ich Polen habe ich jedoch das Gefühl, dass nur wenige bei dem vollem Namen gerufen werden (hierarchische Ebenen werden respektiert).

Aber hier nun einige Beispiele:

Tomasz  - Tomek
Miroslav - Mirek
Jaroslav - Jarek
Malgorzata - Gosia
Katarzyna - Kasia
Magdalena - Magda
Anna - Ania (gesprochen wie Anja)
Alexandra - Ola

Bis bald mal wieder

Eurer Sebek ;-)

Samstag, 28. April 2012

Besuch beim Arzt

Hier mal wieder ein kleiner Beitrag von mir.

Nachdem ich Euch die letzten Male genug mit Autogeschichten belästigt habe und mir auf der Straße nichts weiter Extremes passiert ist (außer der Motorradfahrer der mir auf dem Hinterrad fahrend entgegen kam), kann ich mich endlich mal neuen Themen widmen.

Heute also der Besuch beim Arzt. Naja eigentlich war es nicht mein erster Besuch, sondern insgesamt mein vierter, aber jetzt wird es wirklich erzählenswert...

Also der Erste war damals im September, jeder Arbeitnehmer in Polen, muss sich einem medizinischen Test. Damals wurde alles für mich organsiert, heute muss ich mich selber um die Details kümmern.

Kurz zum Hintergrund, ich hab eine Schilddrüsenunterfunktion, und muss regelmäßig Tabletten nehmen. Nachdem im Februar mein Vorrat aus Deutschland aufgebraucht war, wurde es Zeit sich um Nachschub zu kümmern.

Hintergrund zweiter Teil, ich bin über meinen Arbeitnehmer über ein Privatkliniknetz versichert, namens Medicover, d.h. in ganz Polen sind Kliniken, die nicht nur im unserem Verständnis eine Klinik sind, sondern ein Ärzteverbund. Mir wurde gesagt, anscheinend sind der Service und die Qualität besser, aber das kann ich nicht beurteilen.

Dieser Verbund kooperiert jedenfalls auch mit anderen Ärztehäusern. Nachdem Medicover aber nicht in meiner Nähe ist (dachte ich jedenfalls, bitte diese Information im Hinterkopf behalten), bin ich zu einem medizinischen Zentrum direkt bei mir um die Ecke gegangen. Der erste Eindruck damals war sehr gut, ich bin abends vorbeigefahren und hab mir einen Termin beim Internisten geholt, ich find es immer leichter persönlich mit den Leuten zu sprechen als übers Telefon, so kann ich wenigstens noch ab und zu etwas Körpersprache verwenden und etwas malen oder schreiben.

Lange Rede kurzer Sinn, der Erstkontakt war sehr angenehm, die Dame an der Rezeption sprach fließend Englisch und hat mir einen Termin für den nächsten Tag gleich morgens gegeben.

Der erste offizielle Besuch war auch hervorragend. Ich hab meine gewünschten Tabletten bekommen und mir wurde Blut abgenommen wie geplant, um alles zu checken.
Ich bekam einen Termin in 2 Wochen (damals), den musste ich aber wg. eines Meetings absagen.

Danach hatte ich ehrlich gesagt, die Sache aus den Augen verloren, bis Ende März, ich holte mir per Email einen neuen Termin um meine Blutanalyse zu bekommen. 19 Uhr abends, perfekt für mich. Als ich vor 3 Wochen in die Praxis marschierte war ich noch guter Dinge. Die Dame(n) an der Rezeption waren alle neu für mich und keine Sprach Englisch, und nur mit Mühe und Not konnte ich mich verständigen. Nach einer halben Stunde mühsamer Kommunikation mit Hilfe eines weiteren Patienten erfuhr ich, der Arzt ist schon zu Hause, der hatte nur bis 18.30 Sprechstunde. Ich war etwas genervt, aber gut kann passieren...

Also neuer Termin, diesmal sagte man mit 18:30, aber bitte eine halbe Stunde vorher da sein. Das war am Mittwoch. Ich war pünktlich da, und kam auch wie gehofft beim Arzt dran. Im Zimmer schaute er mich fragend und wollte wissen, was ich denn möchte? Kurz erklärte ich Ihm, Ich - Schilddrüsenunterfunktion - Blutanalyse - wie ist mein Ergebnis?
Danach wurde es aber erst richtig witzig.

Arzt: "Wo ist denn die Blutanalyse, haben Sie die mit?"
Ich: "Ähh nein, die hab ich hier machen lassen, ich denke mal wie wird bei meinen Akten sein"

Der Arzt drehte suchend die DIN A5 Karteikarte (anscheinend meine Akte) um, und suchte die Analyse, enttäuscht stellte er fest, dass dahinter NICHTS war.

Arzt: Die hab ich nicht, warten Sie bitte ich frag am Empfang

Nach 2 Minuten kam er wieder, die finden Sie nicht, evtl. hat jemand Ihren Namen falsch geschrieben.... Wir müssen eine Neue machen.

Ich: innerliches Augenrollen "aha ok"

Mir wurde aufgeschrieben was ich machen soll, und wurde raus geschickt. Ich bin erstmal schnurstraks zum Empfang und hab 3 Leute damit beschäftigt, meine Blutanalyse zu suchen! Doch die war nicht da. Nach wieder einmal einer halben Stunden Diskussion (es wurde nicht viel gesagt, es dauert einfach die Wörter zu finden) wurde mir ein neuer Termin gegeben.

Nach 2 erfolglosen Terminen, habe ich beschlossen nächste Woche doch direkt zu Medicover zu gehen. Auf der Homepage hab ich dann auch ein neues Zentrum gefunden, das auf meinem Arbeitsweg liegt. Also ich hoffe nächste Woche kann ich das Kapitel endlich abschließen.

Bis dahin halten die Tabletten auch noch locker

Ciao Sebastian

Donnerstag, 12. April 2012

Was lange währt...

wird endlich gut.

nach 4 Monaten, 6000 Kilometern und unzähligen Emails und Verhandlungen, Wutausbrüchen und Schockmomenten ist mein Auto endlich wieder GANZ.

Am Ende hat alles gut geklappt, die direkte Kommunikation mit der polnischen Versicherung war um ein vielfaches besser als mit dem deutschen Schadensregulierer...

Spannend wurde es am Ende nur noch, als die Versicherung den Kostenvoranschlag nicht vollständig akzeptiert hat und angefing Stundenlöhne und Arbeitsschritte auszutauschen, aber die Werkstatt meinte auf die Nachfrage nur: "Kein Problem, für Versicherungen haben wir einen anderen Stundenlohn, und wir können es auch anders reparieren, dann ist es günstiger..."

Versteh ich gar nicht, so eine Fensterscheibe ist doch zum Lackieren viel schneller ein- und ausgebaut als einfach nur abgeklebt... ;-)

Aber wie gesagt, jetzt ist alles wieder wie Ende November.

Schönen Gruß aus Polen

Sebastian

Sonntag, 1. April 2012

Wohnen in Warschau

Wie bereits angekündigt hier mal wieder eine kleine Geschichte aus dem Alltag in Warschau - Wohnen...

Meine Wohnung kennt Ihr ja, aber ich hab euch glaube ich noch nie von der Anlage erzählt in der sie ist.
Zu der Anlage gehören 6 Häuser mit je 18 Wohnungen. Die komplette Anlage ist eingezäunt und kann nur über 2 Tore betreten werden, die nur mit Schlüssel oder Zahlencode geöffnet werden können.

Allerdings nur zwischen 6:00 und 23:00 Uhr, in der Nacht werden die  beiden Türen nämlich verriegelt und man kann die Anlage nur noch betreten in dem man beim Security Guard vorbei geht.

Jetzt könnte natürlich die Frage aufkommen, ob man sich in dieser Situation komisch vorkommt? 24h Sicherheit? Aber ehrlich gesagt, verlasse ich die Anlage meistens über die Garage und ob ich jetzt einen Schlüssel benutze oder einen Code eintippe ist mir nicht so wichtig. Und der Security Typ ist mehr Schein als Sein. Denn ich klopfe den Armen immer nur nachts wach, er öffnet die Tür und weiß nichtmal wer ich bin.

Aber ich gebe zu, es ist etwas nervig immer zu warten bis er aufgewacht ist und sich zur Tür bewegt hat ;-)

Und wenn Ihr denkt ich wohne in einer Sicherheitszone, dann lest mal weiter...

Letzte Woche hatte ein Brasilianer zum Angrillen eingeladen und der wohnt noch extremer. Dort ist nicht nur jede einzelne Wohnanlage überwacht, sondern auch noch der ganze Straßenkomplex. Die verschiedenen Straßen werden von einem Erdwall umgeben auf dem ein Zaun steht.

Also wenn man diesen Bereich betreten will, muss man an der Schranke beim Securityman ganz genau die Adresse mit Straße Nummer und Wohnungsnummer angeben, die per Funk durchgegeben werden, aber bloß an WEN?

Aber in der Anlage ist alles perfekt, der Supermarkt ist um die Ecke, neben der Bankfiliale und dem Friseur... Alles direkt um die Ecke, bei mir leider nicht...

Sebastian

Dienstag, 20. März 2012

Frühling in Warschau

So hier mal wieder ein kurzes Lebenszeichen aus Warschau.

Alles wird gut und alles ist auf dem Weg und mein Auto ist schon fast in der Werkstatt. Aber dazu später mehr, wenn ich den letzten Akt komplett erzählen kann.

Ansonsten hatte ich am Wochenende Besuch aus Deutschland, und konnte mich mal wieder als Touristenguide beweisen. Ich gestehe, ich kenne die ein oder andere Ecke, aber der geschichtliche Hintergrund fehlt ab und zu. Somit die bitte an jeden der mich besuchen will. Bringt einen Reiseführer mit...
Aber dafür war das Wetter umso besser, und angenehm warm. Es wird eben auch hier Frühling.

Bis bald wieder

Sebastian